Drehgestell 45mm aus 3D Druckteilen

Mit den Drehgestellen fing die Weyer-Story bei mir an. Im einer Facebook-Gruppe hatte ich gefragt, wie man Wagen in Spur G aus Holz am besten bauen kann. Es meldete sich Modellbau-Freund Holger, und der brachte auch gleich die Idee zu den Weyer Wagen mit.

Allerdings wurden Drehgestelle benötigt. Die gibt es aus Weißmetall bei Heyn zu kaufen für Modelle des Maßstabs 1:22,5 (Meterspur). Die haben ihren Preis und verschiedene Nachteile für unseren Einsatzzweck.

Daher beschloss ich, mich mit meinem noch jungen 3D-Drucker daran zu versuchen. Dabei sind robuste und vorbildgetreue Drehgestelle entstanden, die auch noch gut laufen.

Das Original ist ein Typ von Weyer-Drehgestell, das unter Wagen in JerichowI auf 75cm lief und das auch bei der Rhein-Sieg Bahn zum Einsatz kam. Achsabstand nur 1 Meter, Radumfang ca. 50cm. Umsetzung in 1/18 bei mir und 1/16 für Holger und seine IIIe Waggons.

Konstruiert wurde in Tinkercad.

Abbildung: Konstruktion Weyer Drehgestell für Spur G

Die Blenden halten die Radachsen in Kugellagern (mit Flansch, 3mm innen, 6mm außen) und sind durch originalgetreue 3D-gedruckte Querträger verbunden. An der Aufhängung in der Mitte ist eine Blende drehbar gelagert und sorgt für Ausgleich. Am Mittelteil ist eine Deichsel mit einer LGB-Kupplung befestigt, im Bild nicht sichtbar.

Der Zapfen ist eine 6mm Gewindeschraube, die in eine im Rahmen befestigten Stoppmutter geschraubt wird. So kann die Drehbarkeit stufenlos eingestellt werden. Zwischen Rahmen und Drehgestell befinden sich zwei 5cm Unterlegscheiben und eine Gummischeibe, die für Dämpfung sorgt.

Die Stückliste sieht aus wie folgt:

  • 2x Drehgestellblende (3D Druck)
  • 2x Querträger (3D Druck)
  • 1x Mittelteil (3D Druck)
  • 2x Radsatz Edelstahl 26mm von Heyn (nicht mehr lieferbar)
  • 2x Unterlegscheibe 5cm
  • 1x Gummischeibe 5cm, 4mm dick
  • 1x Ergänzung Deichsel (3d-Druck) mit S-Kuplix Kupplung
  • 1x Inbusschraube M6, 1x Stoppmutter M6
  • 1x M3 Inbusschraube schwarz 16mm, 1x Stoppmutter M3
  • Verschiedene 2mm Holzschrauben

Seht Euch das Ergebnis an, hier montiert an einem Packwagen der Rhein Sieg Eisenbahn im Maßstab 1/18:

An den Bildern sieht man auch die zentrale Herausforderung beim Design für Spur G: Die Gestelle müssten eigentlich im Rahmen versinken. Bei einem befahrbaren Radius R1 funktioniert das nicht. Ich habe verschiedene Optionen getestet: Breiterer Rahmen, Ausschnitte im Rahmen, oben abgeschnittene Drehgestellblenden. Aber entweder passt die Kupplung dann nicht, oder es hakt irgendwo.

Also fahre ich mit den sichtbaren Kröpfungen. Im Regal lassen sich die Zwischenstücke der Lagerung und die Deichsel entfernen – dann sieht es richtig nach Weyer aus. So setzt Holger es an seinen IIIe Wagen um.

Vielleicht ist dieser Umstand auch der Grund, warum die größeren Hersteller wie LGB bislang keinen Weyer-Wagen aufgelegt haben.

Bei mir auf der Außenanlage funktioniert die Konstruktion jedenfalls sehr gut. Fünf Wagen fahren bereits, Nummer sechs ist in Fertigstellung.

Besonders: Bühnen und Türen

Durchgänge über die Bühne gab es nicht bei den Weyer-Wagen. Das Personal konnte über überlange Trittbretter von einem Wagen zum Anderen gelangen. Bei den maximal zugelassenen Geschwindigkeiten bis 35 km/h kam dabei auch keine besonders große Gefahr auf.

Abbildung: Weyer-Wagen in 1/18 auf 45mm Gleis. Links mit einfacher Bühne, wie z.B. bei der Rhein-Sieg-Bahn. Rechts mit in die Bühne integrierter Sitzbank. Bühnen entstanden im 3D Druck.

Einige Bahnlinien orderten Wagen mit Bühnen, die eine Sitzfläche aufwiesen. Die Bauweise war auch meist kombiniert mit dekorativen Türen an der Bühne. Bei Wagen mit manueller Bremse war das Sitzbrett an der Bühne verkürzt.

Andere Bahnlinien wie die Rhein-Sieg Bahn verzichteten auf das attraktive Extra.

Später gab es auch prächtige Versionen mit mehrflügeligen und schön lackierten Türen – mutmaßlich aber bei Neubauten/Restaurationen. Ebenso wurden bei Neuaufbauten die Bühnen durch eine Verlängerung des Aufbaus ersetzt.

Auffällig auch die Länge des Dachs: Es ragte über die Bühne hinaus und schützte Passagiere auf den äußeren Sitzbänken vor Regen.